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Form und Funktion des Krankhaften

Pathologie als Modalmedium

Eine Studie von Uli Reiter zur Pathologisierung sozialer Systeme

Erschienen im Psychosozial-Verlag

Unsere Gesellschaft – ein krankes System?

Obwohl eine Gesellschaft nicht im wörtlichen Sinne als krank bezeichnet werden kann, sind Krankheitsmetaphern weit verbreitet. Wenn von Wirtschaftsdepression, von schizophrenen Organisationen oder von viralem Marketing die Rede ist, dann haben wir es mit einer Pathologisierung des Sozialen zu tun. Das Phänomen der Übertragung von Krankheitsbildern ist alt, wird aber erst beim Übergang von der Neuzeit zur funktional differenzierten Gesellschaft zunehmend auffällig. Es handelt sich um den Versuch, neuartige Abweichungen zu codieren, für deren Beschreibung und Erklärung noch keine Begriffe zur Verfügung stehen.

Uli Reiter geht in seinem Buch „Form und Funktion des Krankhaften“ der Frage nach, ob diese Pathologisierung des Sozialen nur als Problem aufzufassen ist oder ob sie möglicherweise auch die Lösung für ein grundsätzliches soziales Problem darstellen könnte. Diese These entwickelt er mithilfe systemtheoretischer Konzepte und zeigt, welche alternativen Lösungsoptionen erschließbar sind.

„Mein Denken und Schreiben ist geprägt durch meine recht unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche wissenschaftliche Forschung, freie Kunst und Marketing. Der vorliegende Text ist zudem ohne den ansonsten üblichen universitären Forschungs- und Rechercheapparat in einem Zeitraum von knapp 2 Jahren und in Eigenfinanzierung entstanden“. (Uli Reiter)

Die Zielgruppen

Das Buch richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an ein anspruchsvolles Feuilleton-Publikum, das daran interessiert ist, die klassisch interdisziplinäre und sozialwissenschaftliche Frage nach der Krankheit und Krankhaftigkeit der Gesellschaft und ihrer Subsysteme, wie Wirtschaft, Politik, Recht, Kunst oder Liebe, aber auch ihrer Organisationen und Familien auf neue Weise zu stellen und zu verstehen.

„Darüber hinaus ist dieser Text auch für all diejenigen von Interesse, die in Veränderungsprojekten (Coaching, Consulting, Change-Management, etc.) involviert sind, Denn, wie Uli Reiter aufzeigt, dienen die (metaphorischen) Formen sozialer Pathologisierung auch dazu, die in der Moderne unwahrscheinlich gewordene Annahme von Kommunikationsangeboten zu bearbeiten. Hierzu wird ein Veränderungsdruck erzeugt, bei dem die Krankheitsmetaphern der rhetorischen Persuasion zuarbeiten, so daß organisatorische, u.a. Interventionsvorhaben daran andocken können“.
Aus der Rezension von Peter Bormann

Form und Funktion des Krankhaften
Pathologie als Modalmedium

© Psychosozial-Verlag, 2016
Aus der Reihe: Psyche und Gesellschaft
Autor: Uli Reiter
Umfang: 230 S.
Softcover: 29,90 €
ISBN/EAN: 9783837925456
Format: 21 x 14,8 cm

Das Buch | Zusammenfassung

Kranke Gesellschaft?

Obwohl Gesellschaft nichts ist, was wie Körper oder Psyche als krank oder krankhaft beschrieben und behandelt werden könnte, finden sich, weit in die Vergangenheit zurückreichend, Beschreibungen dieser Art: im Rahmen der Zeichendeutung in Mesopotamien, als mittelalterliche Gleichsetzung der christlichen Häresie mit der Pest oder heute in Form der Rede von der Wirtschaftsdepression, von schizophrenen Organisationen oder (mit Betonung der Brauchbarkeit des Pathologischen) von viralem Marketing. 

Unerwünschte Abweichungen

Das Phänomen ist alt, wird aber erst beim Übergang von der Neuzeit zur funktional differenzierten Gesellschaft zunehmend auffällig – zusammen mit Individualisierung und Kriminalisierung. Anlass für Pathologisierung ist die Beobachtung unerwünschter Abweichungsverstärkungen, die als unmäßig bewertet werden, immer mehr Systemressourcen beanspruchen und zu Zuordnungsschwierigkeiten führen. Die Reaktion, die das Kommunikationsmedium ‚Pathologie‘ für diese Codierungsprobleme bereitstellt, besteht in einer Modalisierung des Beobachtens durch die zusätzliche Formgebung pathologisch/nicht-pathologisch.

Unerklärbares

Da es sich jedoch um meist neuartige und noch nicht codierbare Abweichungen handelt, stehen auch noch keine Begriffe für deren Beschreibung und Erklärung zur Verfügung. An Stelle dessen wird mit Hilfe von Pathologie zwischencodiert, indem sinnwidrige Beschreibungen (Krankheitsmetaphern) auf sinngemäße Weise (metaphorisch) eingesetzt werden (z.B. »das Krebsgeschwür des IS«). So können neue Phänomene auch dann schon erklärt und beschrieben werden, wenn sie noch unerklärbar und unbeschreibbar sind.

Pathologisierung

Ausgehend von verschiebbaren Grenzwerten (zu viel/zu wenig) entsteht durch das Modalmedium der Pathologie die Möglichkeit, das verstärkt abweichende Über- oder Unterschreiten dieser Grenzen beobachtbar zu machen, indem erklärungsbedürftige Symptome mit sinnwidrigen Erklärungen auf nur sinngemäße Weise zu pathologischen Befunden gekoppelt werden. Und in Entsprechung zur Krankenbehandlung gilt dann: je bedrohlicher die Symptome erscheinen, desto legitimer erscheinen auch schnelle und drastische Eingriffe.

Steuerung und Störung

Pathologisierung realisiert sich dann als die Initiierung von Steuerungsprojekten unter Sonderbedingungen, bei denen es um die Unterstellung einer gestörten Störungsverarbeitung und um daran anschließende Versuche der Befundung und Entstörung durch Zwischencodierung ginge – durch nichts anderes als wiederum: Störung. Das heißt letztendlich, dass pathologisierten Sozialsystemen unterstellt wird, dass ihre Funktionalität gestört ist, und zwar derart, dass die verfügbaren Irritationskanäle zu viele und zugleich nicht genug Probleme absorbieren.

Zu gut und zugleich zu schlecht

Und wenn man, systemtheoretisch, Funktion als die von einem Beobachter erschlossene Lösung eines Problems versteht, dann würde dieser Befund bedeuten, dass das betreffende Sozialsystem sein Bezugsproblem zu gut und zugleich zu schlecht löst; und dass es sich bei seiner Problemlösung (je nachdem und paradoxerweise) einerseits verbessern, aber zugleich auch verschlechtern können muss.

Autor

Uli Reiter

Uli Reiter, geb. 1954, lebt und arbeitet in Lienzing bei Gstadt am Chiemsee und ist in den Bereichen Soziologie, Kunst und Marketing tätig.

Mit den Themenbereichen Pathologisierung, Bestechung, Korruption, Kriminalität und Illegalität beschäftigt sich der Autor seit ca. 10 Jahren.

Nach „Lärmende Geschenke“ (Velbrück Wissenschaft), einer Art Kulturgeschichte über Bestechung und Korruption, erschien im Frühjahr 2016 eine funktionale Analyse zu „Illegalität – Phänomen und Funktion“ bei Springer VS.

Buchhomepage Korruption: www.laermende-geschenke.de
Buchhomepage Illegalität: www.illegalitaet.com
Kunsthomepage des Autors: www.uli-reiter.de
Marketinghomepage: www.undo.de

Verlag

Der Psychosozial-Verlag publiziert psychologische und sozialwissenschaftliche Bücher und Zeitschriften. Der Schwerpunkt liegt auf den Gebieten Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik, Familientherapie und – wie der Name schon andeutet – der Verbindung zwischen psychologischen und sozialen Fragestellungen.

Entgegen dem herrschenden Trend zur fachspezifischen Einengung des Blickwinkels hat sich der Psychosozial-Verlag zum Ziel gesetzt, den Dialog zwischen den »Psycho-« und den »Sozio-Wissenschaften« und zwischen den verschiedenen helfenden Berufen neu zu beleben.

Die Zusammenschreibung von psychosozial im Namen des Verlages hat kritisch-programmatischen Charakter.

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